Erstes Kinderschachturnier: 7 Dinge, die Eltern wissen müssen

Euer Kind nimmt zum ersten Mal an einem Schachturnier teil und ihr seid aufgeregt, was euch erwartet? Hier erfahrt ihr als Eltern, wie der Ablauf funktioniert – von der ersten Partie bis zur Siegerehrung. Ein kleines Schach-Glossar und FAQ findet ihr am Ende des Beitrags.

Junge sitzt konzentriert an einem Schachbrett bei einem Kinderschachturnier

Wie läuft ein Kinderschachturnier ab?

  1. Persönliche Rückmeldung bis etwa 30 Minuten vor Turnierstart, dabei wird der Name deines vorangemeldeten Kindes in einer Liste abgehakt.
  2. Offizielle Begrüßung: Die Organisatoren stellen das Schiedsrichter-Team vor, erinnern an die Schach- und Turnier-Regeln, teilen praktische Informationen wie etwa Pausen, Verpflegungsmöglichkeiten, erlaubter Aufenthaltsbereich für Turnierteilnehmende während der laufenden Partien und Lage der Toiletten.
  3. Auslosung der Partien: Eine Software teilt Spielerinnen und Spieler innerhalb einer Alters- oder Rating-Gruppe einander zu. Die meisten Kinderturniere laufen nach dem Schweizer System: Jede Runde spielen Kinder mit ähnlichem Zwischenstand gegeneinander. Bei ungerader Teilnehmenden-Anzahl setzt einer aus. Ein Beispiel für Turnier-Paarungen findet ihr hier: chess-results.com
  4. Start der ersten Partie: Oft gibt es dazu die Ansage: „Die Bretter sind freigegeben“. Es folgt der Start der Uhren, gegebenenfalls durch das Schiedsrichter-Team.
  5. Nächste Runde(n): Wenn alle innerhalb einer Turniergruppe fertig sind, werden die nächsten Paarungen zusammengestellt. Die Paarung für jede Runde sowie der Zwischenstand des Rankings werden ausgedruckt und ausgehängt oder online veröffentlicht, zum Beispiel auf chess-results.com. Oft bekommt ein Kind nach einer Niederlage einen etwas einfacheren Gegner als zuvor und nach einem Sieg einen stärkeren Gegenüber. Je nach Turnier gibt es eine Mittagspause.
  6. Siegerehrung erfolgt nach der letzten Partie einer Turniergruppe und deren Auswertung.

Wie lange dauert ein Kinderschachturnier?

Eintägige Kinderschachturniere dauern durchschnittlich vier bis acht Stunden. Gespielt werden mehrere Runden mit zuvor festgelegter Bedenkzeit – wie lang, steht in der Ausschreibung.

Besonders beliebt bei Kindern sind Rapid-Turniere („Schnellschach“), die eine kurze Bedenkzeit von ca. 15-30 Min. haben. Ein typisches Rapid-Turnier umfasst etwa 7 Runden à 20 Minuten. Das ist überschaubar, auch für jüngere Kinder.

Klassische Partien, von denen pro Tag 2 bis 5 Runden gespielt werden können, kommen auf 55 bis 90 Minuten Bedenkzeit. Oft reichen die Turnierveranstaltenden solche Partien für eine Auswertung der DWZ ein, der „Deutschen Wertungszahl“, einem Maß für Spielstärke**. In manchen Turnierlisten ist sie als Elo vermerkt.

Wie lange der Schachtag tatsächlich dauert, hängt neben der maximalen Bedenkzeit davon ab, wie viel Zeit sich die Kinder tatsächlich beim Nachdenken lassen. Ich habe beobachtet, dass Turnieranfänger, also Mädchen und Jungs unter 1.000 DWZ***, zum Teil nach 20 Minuten eine klassiche Partie beenden. Fortgeschrittene Kinder verbringen deutlich mehr Zeit am Brett. Für sie gibt es Turniere mit weniger Runden pro Tag oder mehreren Turniertagen.

Gibt es eine Aufsichtspflicht während der und zwischen den Partien?

Turnierorganisation, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sind nicht für Aufsicht der Kinder verantwortlich, können störende Kinder aber vom Turnier ausschließen.

Ich empfehle, mit dem eigenen Kind Rücksprache zu halten, wo es bei Bedarf eine Ansprechsperson findet, wenn man selbst nicht permanent vor Ort ist. Betreuungspersonen können natürlich auch andere Eltern, große Geschwister oder Trainer sein.

Die gute Nachricht: Rund um die meisten Schach-Turnierstätten gibt es meiner Erfahrung nach in 90 Prozent der Fälle Spielplätze und Bewegungsmöglichkeiten, so dass Kinder zwischen den Partien Stress abbauen und den Kopf ausruhen können. Der Turniersaal und unmittelbar angrenzende Flächen gehören allerdings nicht dazu, woran Betreuungspersonen Kinder gegebenenfalls zu erinnern müssen.

Dürfen Eltern bei den Schachpartien ihrer Kinder zuschauen?

Bei Anfängerturnieren dürfen Eltern oft dauerhaft oder zu Beginn der Schachpartien zusehen, was oft zum Fotografieren genutzt wird. Wenn es nicht erlaubt ist, nach Beginn der Partien den Turniersaal zu betreteten, dann wird das kommuniziert.

In jedem Fall dürfen Eltern ihren Kindern auf keinen Fall Tipps geben. Das lässt sich leicht vermeiden, wenn man sicht hinter das Kind stellt und nicht gegenüber. Meine Meinung dazu: Hier geht es nicht nur um Fair Play dem Gegner oder der Gegnerin gegenüber, sondern auch darum, das eigene Kind nicht unnötig abzulenken oder zu verunsichern.

Braucht dein Kind einen Verein, um an einem Turnier teilzunehmen?

An den meisten Turnieren kann ein Schachspieler oder eine Schachspielerin auch ohne Vereinszugehörigkeit teilnehmen. Ausnahmen bestätigen die Regel:

  • Wenn dein Kind Partien mit klassischer Bedenkzeit spielt und die Partien DWZ-gewertet werden sollen, muss es Mitglied in einem Schachverein sein. Der Hintergrund: Alle Schachvereine führen Gebühren an den Deutschen Schachbund ab, der wiederum die Deutsche Wertungszahl erhebt.
  • In der Turnier-Ausschreibung ist nachzulesen, wer bei der jeweiligen Veranstaltung teilnahmeberechtigt ist. Es kann sich beispielsweise um ein Turnier handeln, das nur Mitglieder von bestimmten Bezirken oder Verbänden zulässt. Beispiel: Zur jährlichen „Münchner Jugend Einzelmeisterschaft“ (MJEM) sind Kinder zugelassen, die aktiv oder passiv Mitglied in einem Verein des Schachbezirks München sind.
  • Es gibt Turniere mit einer Vereinswertung, dabei zählen die Ergebnisse von mehreren Spielerinnen und Spielern zusammen für Sonderpreise.
Turniersaal mit jugendlichen Schachspielern am Brett
Mädchen und Jungen warten bei einem Kinderschachturnier auf die Freigabe der Bretter

Welche Turnierregeln und Etikette gelten auch beim Kinderschach?

  1. Als Symbol für den gegenseitigen Respekt geben sich Schachspielerinnen und Schachspieler vor der gemeinsamen Partie die Hand – und ebenso danach! Damit erkennt man das Ergebnis und die Leistung der anderen Seite an. Manchen fällt das nach einer verlorenen Partie schwer, aber die Etikette hilft auch dabei, damit abzuschließen.
  2. Das Tragen oder Benutzen von Smartphones, Smartwatches und anderen elektronischen Geräten sowie die Hilfe durch Menschen in- und außerhalb des Spielsaals sind verboten. Natürlich sind Unterstützungen bei körperlicher Einschränkung, etwa Hörgeräte, ausdrücklich erlaubt.
  3. In der Turnierausschreibung sowie bei der Eröffnungsrede erfährst du, welche Schach-Regeln zur Anwendung kommen: Besteht eine Notatinspflicht? Ab dem wievielten regelwidrigen Zug gilt eine Partie als verloren? Nach welchen Regeln wird bei Punktgleichheit ein Ranking?

Wie können Schacheltern mental unterstützen?

Die wichtigste Rolle der Erwachsenen ist Stabilität. Eine Runde um den Block nach der Partie, ans Essen erinnern, Bewegung verschaffen, die Logistik im Blick behalten. Das klingt unspektakulär und ist doch entscheidend.

Manche Kinder weinen auch, weil sie eine Niederlage nicht eingestehen wollen oder traurig sind, ihre eigenen Ansprüche nicht erfüllt zu haben. Dann sind Ermutigung und Trösten statt tiefe Analysen angebracht. Hier hilft – manchmal – der Verweis auf den Trainingseffekt: Der Fehler, der am meisten weh tat, passiert wohl nicht wieder.

Es ist schön für Kinder, wenn sie im Turnier zeigen können, was sie im Training gelernt haben. Wir als Eltern sollten ihren Ehrgeiz respektieren. Für viele Kinder ist das erste Turnier eine ernste Sache — kein „nur Spaß“, kein „nur ein Spiel“. Das verdient Respekt.


FAQ

Ab welchem Alter kann mein Kind am Turnier teilnehmen?

Kinder können ab etwa 5 Jahren an Schachturnieren teilnehmen – vorausgesetzt, sie kennen die Grundregeln und haben bereits einige Trainingspartien gespielt. Hierfür eignen sich Schnellschachturniere besser, da die Partien kurz sind und die Kinder die Züge nicht mitschreiben müssen. Die meisten Kinder, die Schach als Sport betreiben, spielen ihr erstes Turnier im Laufe der Grundschule. Es gibt jedoch auch Jugendliche, die ihre Erfahrung zuerst bei Onlinepartien sammeln und erst zwischen 12 und 16 ihr erstes Turnier am Brett spielen.

Was kostet die Teilnahme?

Viele eintägige Kinderschachturniere für Schnellschach oder klassische Partien kosten zwischen 8 und 15 Euro Teilnahmegebühr. Mehrtägige Turniere mit Auswertung der internationalen Wertungszahl Elo (Pendant zur DWZ) kosten ab 40 Euro. Bei den meisten größeren Turnieren gibt es einen Rabatt für Jugendliche und Kinder sowie einen Rabatt für frühe Anmeldungen.

Welche Preise gibt es?

Bei Kinderschachturnieren gibt es meist Pokale, Medaillen, Urkunden und kleine Sachpreise – oft erhalten alle Teilnehmenden etwas, nicht nur die Platzierten. Die Kosten dafür sind in der Regel durch die Teilnahmegebühr oder Sponsoren gedeckt. Für viele Kinder sind die Preise eine besondere Motivation.

Was dein Kind konkret mitbringen sollte, findest du im Beitrag zur Turnierausrüstung. → Link folgt 😊


Schach-Glossar

* Bedenkzeit im Schach: Gibt die Dauer an, die ein Spieler oder eine Spielerin pro Partie auf jeden Fall Zeit hat, zu überlegen. Sie setzt sich zusammen aus 1. einer festen Anzahl an Minuten, 2. Anzahl an Sekunden, die pro Zug und Seite addiert werden („Inkrement“) und manchmal 3. eine zusätzliche Bedenkzeit nach einer bestimmten Anzahl von Zügen. Das Inkrement fällt bei schnellen und sehr schnellen Partien oft weg. ❗Hinweis: Der Gegner oder die Gegnerin hat natürlich die gleiche, eigene Bedenkzeit.

** DWZ: Deutsche Wertungszahl. Sie lässt sich über https://www.schachbund.de/spieler.html nachschauen. Sie wird erstmalig ermittelt, wenn jemand fünf Mal in offiziell anerkannten Turnieren gegen Schachspielerinnen oder Schachspieler mit DWZ gespielt hat. Die Partien können in mehreren Turnieren gespielt worden sein. Neue Partien werden nach Turnierabschluss zur Auswertung genutzt, um die DWZ fortlaufend anzupassen. https://www.schachbund.de/wertungszahlen.html Die Elo wiederum ist eine weltweit genutzte Wertungszahl, die nur bei bestimmten Turnieren erworben werden kann.
❗Wer immer nur gewinnt oder nur verliert, kann keine DWZ bekommen, weil das echte Niveau nicht feststeht.

*** 1.000 DWZ ist Stand Mai 2026 die Grenze, die bei vielen Jugendturnieren die Einsteiger von den Amateuren trennt, siehe z. B. https://dwz-pokalturniere.de/
❗Ab Juni 2026 soll die DWZ reformiert werden, dann gelten neue Grenzen, die sich um mehrere Hundert Punkte unterscheiden: https://www.schachbund.de/news/infos-fuer-spieler-und-spielerinnen-dewis-wird-bald-durch-das-wertungsportal-ersetzt.html


Geschrieben von Andrea Ilsemann, Autorin des Blogs schacheltern.de und Mama eine begeisterten Schachspielers. Ich teile meine Erfahrungen, die ich seit 2022 mit mehr als 50 Turnieren gesammelt habe.

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