Was ist die Rolle der Eltern im Kinderschach?

Eltern von schachspielenden Kindern müssen nicht gut Schach spielen können. Sie brauchen Grundwissen zu Schachregeln, Notation, DWZ und Taktik, um ihr Kind als Schachmanager zu unterstützen. Ich begleite seit mehr als fünf Jahren ein Schachtalent und habe über 50 Turniere besucht.

Manche Eltern berechnen blind Züge und haben sofort die Stellung vor dem geistigen Auge, können jede Menge Eröffnungsvarianten einordnen und positionelle Vorteile ohne Computerhilfe erkennen. Ich hingegen zähle Material, schaue auf Körperhaltung und Gesichtsausdruck meines Sohnes und weiß wirklich nicht, welche Seite des Brettes besser steht.

Wenn ich nach der Partie Fragen zu Zügen stelle oder trösten möchte, dann kann es je nach Alter und Laune schon passieren, dass ich höre: „Mama, du verstehst das nicht!“ Das ist nicht schön, aber eben wahr.

Heißt das, dass ich meinen Sohn weniger gut begleiten kann im Schachsport?

Wenn die Uhren zu Beginn der Partie gedrückt werden, setze ich mich nicht an mein eigenes Brett, sondern in einen Aufenthaltsraum und warte. Meine Leistung ist deshalb wenig sichtbar. Ich habe schon nett gemeinte Aussagen gehört wie „Ah, da ist die Mama mitgekommen.“ Ältere Gegner kommentieren mitleidig, dass ich mitgeschleppt werde. Andere Eltern bieten an, dass sie mal einen „Profi-Blick“ auf die Partie des Sohnes werfen.

Heißt das, dass andere die „besseren“ Schacheltern sind?

Schlechte Schachspielerin = tolle Schachmanagerin

Mein Sohn ist der Schachspieler, ich bin die Managerin, die ihn enthusiastisch und professionell unterstützt. Mein Schach-Niveau ist nicht die Voraussetzung dafür, meine Rolle gut auszufüllen, aber es hat trotzdem Vorteile: weniger Ego, mehr Demut, klarere Rollenverteilung, weniger Nervosität.

Ich kenne mich und meinen Ehrgeiz gut genug, um zu wissen, dass ich einem Wettkampf nicht aus dem Weg gehe, wenn ich ein Talent in mir wittere. Vielleicht würde ich als Meisterin am Brett mehr Druck machen oder eigene Ambitionen in den Vordergrund stellen.

Ich bin außerdem oft nervös, weil ich will, dass mein Sohn für sein Training belohnt wird und glücklich ist – aber ohne eingreifen zu können, würde mich der Echtzeit-Blick aufs Brett noch mehr mitnehmen. Deshalb empfehle ich anderen Eltern, sich eine Ablenkung zu suchen oder den Turnierort zugunsten eines Cafés oder Spaziergangs ganz zu verlassen. Eine Gewinnstellung kann sich drehen, eine Verluststellung auch – das Drama braucht niemand in Echtzeit.

Was macht eine Schachmanagerin?

Ein Schachmanager ist der Elternteil, der Turniere plant, organisiert und das Kind begleitet, ohne selbst am Brett zu sitzen.

Meine aktive Rolle umfasst Turnier-Scout (zum Nachlesen: Schachturniere finden), Trainings-Koordinatorin, Caterer, Chauffeurin, menschliche Packliste, Motivations-Coach für Taktikaufgaben.

Hauptbeschäftigung der Schachmanagerin: Warten und Kaffee trinken.

Grundwissen für Schacheltern

Die Theorie solltest du als Elternteil beherrschen, aber die Praxis können engagierte, kompetente Trainerinnen und Trainer vermitteln. Zur Theorie gehören – für mich – unter anderem die Schachregeln, Notationsregeln, taktische Motive (Gabel, Fesselung, Mattmotive etc.) und und Berechnung der Schachstärke (siehe dazu auch der Beitrag rund um Turnierorganisation).

Mit Grundwissen kannst du als Schachmanager:

  • Partien mit dem Computer analysieren,
  • den Spielbericht nachvollziehen,
  • mit Trainern besprechen, welche Hausaufgaben sinnvoll sind,
  • Paarungen und Ranking in Turnieren verstehen,
  • einschätzen, welche Entwicklung in welcher Zeit realistisch ist.

Mit diesem Wissen ausgestattet, bist du nicht nur Zaungast, sondern redest auf Augenhöhe mit.

Schachregeln – Grundlage für alles

Die offiziellen FIDE-Regeln wirken wie eine klassische Brettspielanleitung – ihre Nüchternheit macht es einfach, einen zuverlässigen Überblick über Startformation, erlaubte Züge und Gangart der Figuren zu bekommen. → Deutscher Schachbund | FIDE Regeln (2023)

Notationsregeln – sofort relevant, wenn das Kind Partien aufschreibt

Schachpartien werden schriftlich festgehalten, damit Züge beider Seiten im Nachhinein nachvollzogen und analysiert werden können. Wer die Notation versteht, kann seinem Kind helfen, die Schreibweisen zu lernen und dem Spielbericht zu folgen. Die Notationsregeln sind im gleichen Dokument wie die Schachregeln erklärt.

DWZ/Elo – wird spätestens beim ersten gewerteten Turnier zum Thema

Die Deutsche Wertungszahl (DWZ) misst die Spielstärke und wird nach gewerteten Turnieren angepasst. Mit dem Schacheltern.de-DWZ-Rechner kannst du sowohl die Erst-DWZ berechnen als auch die DWZ-Veränderung nach einem Turnier ermitteln.

Taktische Motive – Training, das Eltern begleiten können

Wer taktische Grundmuster kennt, versteht, woran das Kind im Training arbeitet – Videokurse, Bücher für Schachanfänger oder YouTube-Kanäle wie Schachpanda oder Raphael Kloth sind gute Einstiege.

Eröffnungen – für später, wenn das Kind fortgeschrittener ist

Essenziell für Schachkinder und ihre Eltern sind die „7 Goldenen Regeln der Eröffnung“ – wer diese beherrscht, kann schon sehr weit kommen. Viele Trainerinnen und Trainer empfehlen, tiefes Eröffnungstraining bis zu einer DWZ von 1900 hinten anzustellen und die Zeit lieber für Taktik, Partien und Analysen zu nutzen. Ein Grundverständnis der häufigsten Eröffnungen hilft Eltern aber schon früh, den Start einer Partie einzuordnen.

Fazit

Wie gut sollten Eltern von schachspielenden Kindern selbst Schach spielen können? Gut genug, um die Grundlagen zu verstehen. Aber lass dich nicht abschrecken, wenn du kein Profi am Brett bist. Die tragende Rolle im Schachsport deines Kindes hängt nicht von deiner Wertungszahl ab, sondern davon, wie gut du als Schachmanager funktionierst. Während Kinder sich monatelang durch die Basics kämpfen, sind die Orga-Grundlagen für Erwachsene in kurzer Zeit zu beherrschen.


Ich bin Andrea Ilsemann, Autorin von schacheltern.de und Schachmanagerin meines Sohnes – seit 2022 und mit mehr als 50 Turnieren Erfahrung im Gepäck.

Die Kommentare sind geschlossen.

Nach oben scrollen