Die erste Frage am Brett lautet oft nicht: „Wie heißt du?“, sondern „Wie hoch ist deine DWZ?“ Hier beantworte ich alle Fragen, die du und dein Schachkind rund um die Wertungszahl haben könntet. Wissenswertes rund um den ersten Besuch eines Kinderschachturniers findet ihr ebenfalls bei schacheltern.de.

Grundlage: Was ist die DWZ und wie bekommt man sie?
Was genau ist die DWZ (Deutsche Wertungszahl) im Schach?
DWZ steht für „Deutsche Wertungszahl“ und war für mich einer der ersten Fachbegriffe, den ich als Schachelternteil gelernt habe. Kurz gesagt: Die DWZ ist eine Zahl, die die Spielstärke eines Schachspielers beschreibt. Wer Golf kennt, hat schnell einen Vergleich zur Hand: Ähnlich wie das Handicap dort zeigt die DWZ, wie stark jemand spielt und ermöglicht es, Spieler miteinander zu vergleichen und den eigenen Fortschritt zu messen.
Wie bekommt man eine DWZ?
Eine DWZ bekommt automatisch, wer Mitglied in einem deutschen Schachverein ist und mindestens fünf Partien mit klassischer Bedenkzeit gegen Spieler gespielt hat, die bereits eine DWZ besitzen. Dabei gibt es eine kleine Tücke, die viele nicht auf dem Schirm haben: Die Ergebnisse dürfen nicht immer gleich ausfallen. Wer ausschließlich gewinnt, verliert oder remis spielt, bekommt erst dann eine DWZ, wenn dieses Muster durchbrochen wird. Die Grafiken zeigen das System: Im ersten Turnier zählte eine Niederlage gegen einen Gegner mit DWZ, im zweiten Turnier zählten drei Partien, darunter ein Sieg, der das Muster durchbrach. Mit einer weiteren Partie gab es die erste DWZ.
Mein Sohn hat seine DWZ nach dem dritten Turnier erhalten – es kann aber auch etwas länger oder kürzer dauern, abhängig von Turnier-Auswahl und Partien-Ergebnis. Hinweis: 2023 waren die Einstiegszahlen niedriger als nach der DWZ-Reform 2026.


Ab welchem Alter bekommt man im Schach eine DWZ?
Die DWZ ist nicht vom Alter abhängig. Jedes Mitglied eines Schachvereins kann eine DWZ erhalten.
Braucht man einen Schachverein, um eine DWZ zu bekommen?
Ja, eine DWZ können nur zahlende Mitglieder eines deutschen Schachvereins bekommen. Die Vereine melden ihre Mitglieder beim Deutschen Schachbund an und entrichten dafür eine Gebühr. Aus diesen Beiträgen wird unter anderem das System finanziert, das die Wertungszahlen berechnet und verwaltet. Wer also noch keinem Verein angehört, sollte das als ersten Schritt angehen – ohne Vereinsmitgliedschaft gibt es keine DWZ.
Welche Turniere sind DWZ-gewertet?
Nicht jedes Schachturnier zählt für die DWZ. Damit ein Turnier gewertet wird, müssen drei Bedingungen erfüllt sein: Die Partien brauchen eine klassische Bedenkzeit – grob gesagt etwa eine Stunde pro Jugendspieler inklusive Inkrement. Außerdem müssen lizenzierte Schiedsrichter die Einhaltung der FIDE-Regeln überwachen, und die Züge müssen aufgeschrieben werden. Schnellschach-Turniere oder Blitzpartien zählen nicht. Wer es ganz genau wissen möchte, findet die offiziellen Turniervoraussetzungen beim Deutschen Schachbund. Auf schacheltern.de findet ihr Tipps, wie ein Schachturnier abläuft und was man zum Turnier mitbringt.
Wo kann ich die DWZ meines Kindes nachschauen?
Die einfachste Anlaufstelle ist die Spielersuche auf der Website des Deutschen Schachbunds unter schachbund.de/spieler. Einfach den Namen eingeben – ein kleiner Tipp: Bei Umlauten lohnt es sich manchmal, verschiedene Schreibweisen auszuprobieren, falls die Suche kein Ergebnis liefert. Wer mehr erfahren möchte – gespielte Turniere, Partien und die DWZ-Entwicklung über die Zeit – findet all das in der persönlichen Karteikarte. Die ist aus Datenschutzgründen nur nach einer kurzen Registrierung einsehbar, die aber schnell erledigt ist.

Was bedeutet „Restp.“ bei Spielern ohne DWZ?
Wer bereits erste Partien für die DWZ-Bewertung gesammelt hat, aber die nötige Anzahl noch nicht erreicht, taucht in der Spielerdatenbank mit dem Kürzel „Restp.“ – kurz für Restpartien – auf. Das bedeutet: Diese Person ist auf dem Weg zur ersten DWZ, aber noch nicht ganz dort. Für den Gegner ist das eine interessante Situation – die Spielstärke lässt sich schwer einschätzen, und die Partie wird wahrscheinlich nachträglich in die eigene Bewertung eingehen, sobald der andere Spieler seine DWZ erhält.
Gibt es eine Mindest- oder Höchst-DWZ?
Nach unten gibt es eine Einstiegsgrenze: Seit Juli 2026 bekommen neue Spielerinnen und Spieler ihre erste DWZ mit mindestens 1.100 Punkten. Im alten System, das über ein Jahrzehnt galt, lag dieser Startwert bei mindestens 700. Wer danach viele Partien verliert, kann die DWZ aber durchaus unter diesen Einstiegswert sinken sehen – nach unten ist sie also nicht dauerhaft begrenzt. Nach oben gibt es keine Grenze. Die besten deutschen Schachspieler erreichen DWZ-Werte von über 2700 (Platz 1 Juni 2026: Vincent Kaymer), die besten Spielerinnen von 2400 (Platz 1 Juni 2026: Elisabeth Pätz). Auch ausländische Spieler wie Magnus Carlsen können eine DWZ haben.
Gibt es eine Kinder-DWZ und eine Erwachsenen-DWZ?
Nein, es gibt nur eine einheitliche DWZ für alle Altersklassen. Was sich unterscheidet, ist der sogenannte K-Faktor, der bei der Berechnung von DWZ-Veränderungen eine Rolle spielt. Er richtet sich unter anderem nach dem Alter: Kinder und Jugendliche haben höhere K-Werte als Erwachsene, was bedeutet, dass ihre DWZ nach einem Turnier stärker schwanken kann, nach oben wie nach unten. Junge Spieler entwickeln sich schnell, und die DWZ soll das abbilden können.
Warum gab es im Juni/Juli 2026 keine DWZ-Aktualisierung? Warum hat sich die DWZ so stark verändert?
Im Sommer 2026 gab es für rund sechs Wochen keine neue DWZ und keine DWZ-Anpassung. Partien bzw. Turniere, die zwischen dem 7. Juni und 27. Juli gespielt wurden, wurden nur zwischengespeichert, aber nicht ausgewertet. Die öffentliche Ansicht der DWZ blieb eingefroren bis am 27. Juli ein neues Wertungsportal live ging. Ab da hatten viele Spielerinnen und Spieler eine neue Wertungszahl, mindestens 1.100: Wer zuvor weniger als 1.000 DWZ hatte, erhielt 400 Punkte dazu.
Wer zwischen 1.000 und 2.110 hatte bekam = DWZalt + 400 DWZneu < 2110 = 0,64 * DWZalt + 760
Probiere dazu den Rechner auf schacheltern.de aus, um alte DWZ in neue DWZ 2026 umzurechnen.
Einordnung: Was sagt die DWZ aus? Und was nicht?
Mein Kind hat eine Schach-DWZ von … – ist das gut oder schlecht?
Schachanfängerinnen und Schachanfänger haben oft eine Einstiegs-DWZ von weniger als 1000 Punkten (ab Juli 2026: weniger als 1400). Erstmal sagt sie wenig darüber aus, wie gut, talentiert oder fleißig dein Schachkind ist – sie hängt von vielen Faktoren ab: Wie lange lernt er oder sie schon Schach? Wie viele Partien werden online oder mit kurzer Bedenkzeit gespielt? Wie hoch ist das DWZ-Niveau der Gegnerinnen und Gegner? Interessanter ist deshalb die langfristige Entwicklung – und der Spaß am königlichen Spiel. Einen Vergleich mit Gleichaltrigen mit ähnlicher Turniererfahrung könnt ihr anstellen, aber lasst euch dadurch nicht stressen. Wertungszahl folgt Können, nicht umgekehrt.
Woher weiß ich, wie sich mein Kind im Vergleich zu anderen Schachspielern entwickelt?
Schachspielerinnen und Schachspielern ist die DWZ sehr wichtig. Eltern wollen ihre Kinder zur Recht vor zu viel Druck schützen. Bei Turnieren erhaschen diese aber oft einen selektiven Blick auf die Wertungszahlen anderer. In der DWZ-Datenbank können Eltern gezielt filtern, wer sich mit wem vergleicht: etwa nach Altersgruppe, Geschlecht und Schachbezirk. Wenn man sich unterschiedliche Karteikarten ansieht, erkennt man schnell, dass die Entwicklungskurven ganz individuell sind.
Mein Kind spielt online auf Chess.com oder Lichess. Kann man damit die DWZ ausrechnen?
Nein, von einer Online-Wertungszahl lässt sich nicht direkt auf die DWZ schließen. Der wichtigste Grund: Die Bedenkzeiten sind völlig unterschiedlich. Für eine DWZ-gewertete Partie haben Jugendliche mindestens 60 Minuten, Erwachsene 90 Minuten. Dabei wird das Inkrement eingerechnet und eine Partie mit 60 Zügen angenommenen. Online wird meist mit deutlich kürzerer Bedenkzeit gespielt. Es gibt Rechner im Netz, die eine Umrechnung versprechen, aber das ist höchstens eine grobe Orientierung – keine verlässliche Aussage.
Steigt die DWZ automatisch mit dem Alter oder der Anzahl der gespielten Partien?
Nein, die DWZ steigt nur, wenn auch die Schachstärke steigt, und die kommt nicht von selbst. Wie gut jemand spielt, hängt von Training, der Anzahl gespielter Partien und der Stärke der Gegner ab. Dazu kommt etwas, das sich schwerer trainieren oder erzwingen lässt: Erfahrung. Gerade bei Kindern und Jugendlichen spielen weiche Faktoren eine große Rolle: Gelassenheit, Geduld, Umgang mit Stress, Mustererkennung. Wer regelmäßig spielt und dabei wächst, wird das früher oder später auch in der DWZ sehen. Aber die Zahl folgt dem Können, nicht dem Kalender.
Gibt es eine Schnellschach-DWZ?
Nein, für die DWZ zählen nur Partien mit klassischer Bedenkzeit. Das bedeutet mindestens rund 60 Minuten für Jugendliche und 90 Minuten für Erwachsene pro Spieler. Schnellschach- oder Blitzpartien, egal wie viele, fließen nicht in die DWZ ein. Anders bei der internationalen Wertungszahl Elo: Dort gibt es separate Wertungen für Rapid und Blitz.
DWZ-Entwicklung: Zahl folgt Können
Wie verändert sich die DWZ nach einem Turnier?
Die DWZ verändert sich nach oben oder unten, je nachdem, wie wahrscheinlich ein Sieg gegen den Gegner oder die Gegnerin ist. Die Erwartung ist: Sind beide gleich stark, liegt die Gewinnerwartung bei 50 Prozent. Bei einem Remis bleibt die DWZ gleich. Ist man selbt deutlich stärker, bringt ein Sieg nur wenige Punkte. Gewinnt man gegen einen stärkeren Gegner, gibt es mehr. Zusätzlich fließt der K-Faktor ein, der Alter und Erfahrung des Spielers berücksichtigt.
Wie lange dauert es, bis eine DWZ nach einem Turnier aktualisiert wird? Und in welcher Reihenfolge werden Turniere ausgewertet?
Das ist unterschiedlich: Wir haben nach Turnieren manchmal nur einen Tag gewartet, manchmal zwei Wochen. Das scheint sich mit der DWZ-Reform 2026 beschleunigt zu haben. Bei Wettbewerben, die sich über mehrere Wochen oder Monate erstrecken, wie etwa Ligen, werden die Ergebnisse nach Abschluss ausgewertet.
Ab 2026 gilt eine neue Regel, die auf den ersten Blick verwirrend wirkt: Turnierergebnisse werden in der Reihenfolge angerechnet, in der die Turniere begonnen haben – nicht in der sie beendet wurden.
Ein Beispiel: Dein Kind beginnt ein Turnier, das sich über mehrere Wochen zieht. Zwischendurch spielt es ein Tagesturnier, das früher endet und zuerst ausgewertet wird; die DWZ steigt. Trotzdem wird für das zuerst begonnene Turnier die ursprüngliche DWZ als Grundlage genommen, und das Ergebnis des Tagsturniers nachträglich angepasst.
Warum spielt mein Kind in der ersten Turnierrunde gegen jemanden mit viel höherer DWZ?
Die meisten Turniere werden im sogenannten Schweizer System ausgespielt. Dabei werden alle Teilnehmer zunächst nach Spielstärke sortiert. Dann wird das Feld in eine obere und eine untere Hälfte geteilt: Der Erste der oberen Hälfte spielt gegen den Ersten der unteren Hälfte, der Zweite gegen den Zweiten – und so weiter. Das erklärt, warum ein schwächerer Spieler gleich in der ersten Runde auf einen deutlich stärkeren trifft.
Ab der zweiten Runde werden Kinder mit gleicher Punktzahl gegeneinander gepaart – also wer gewonnen hat spielt gegen jemanden, der auch gewonnen hat. So wird vermieden, dass die stärksten Spieler schon früh gegeneinander antreten und dass das Turnier-Ranking am Ende kein genaues Bild der tatsächlichen Stärkeverhältnisse widerspiegelt.
Mein Kind hatte eine hohe Turnier-Performance – ist das seine neue DWZ?
Nein, die Turnier-Performance ist nicht die neue DWZ, aber ein guter erster Hinweis. Liegt die Performance über der aktuellen DWZ, steigt sie wahrscheinlich. Liegt sie darunter, fällt sie. Entspricht sie der aktuellen DWZ, hat das Kind erwartungsgemäß gespielt und die Zahl bleibt in etwa gleich.
Was die Performance von der DWZ unterscheidet: Große Ausschläge einzelner Turniere werden abgefedert. Die DWZ zeigt die langfristige Entwicklung, nicht den Höchstwert eines guten Tages. Das sieht man in der Grafik gut: Die orange Linie der Turnier-Performance schwankt stark, während die blaue DWZ-Linie ruhiger und stetiger steigt.
Mein Tipp zur Berechnung der voraussichtlichen neuen DWZ: der Elo- und DWZ-Rechner vom Bielefelder SK Eines der wenigen browserbasierten Berechnungs-Tools, die eine sichere Verbindung ermöglichen.

Fortgeschritten: ELO und internationales Schach
Was ist der Unterschied zwischen DWZ und Elo?
Die DWZ ist die Deutsche Wertungszahl, während die ELO-Zahl, benannt nach ihrem Schöpfer Arpad Elo, international gilt. Damit eine Partie ausgewertet wird, müssen je nach System leicht unterschiedliche Anforderungen erfüllt sein. Ob bei einem Turnier beide Zahlen ausgewertet werden, steht in der Ausschreibung. Mit der DWZ-Reform 2026 haben sich Elo und DWZ stark angenähert.
Gibt es die DWZ auch außerhalb Deutschlands?
Nein, die DWZ hat rein nationale Relevanz. Trotzdem gibt es viele ausländische Spieler mit einer DWZ, die sie über Turniere in Deutschland spielt haben.
Andrea von schacheltern.de bewegt sich seit 4+ Jahren im Kinder- und Jugendschach und kennt alle Fragen, die sich Eltern, Spielerinnen und Spieler rund um die Schachstärke, Training und Entwicklung stellen aus erster Hand.