Schach spielen im Team

Wer Team-Geist und den gemeinsamen Austausch liebt, ist beim Schachspielen gut in einer Mannschaft aufgehoben. Dass man Schach auch in der Mannschaft spielen kann, wusste ich zu Beginn allerdings nicht. Meine Vorstellung war: Jeder hat sein eigenes Brett im Blick – wie soll da ein Wir-Gefühl aufkommen?

Ja, als Teil eines Schach-Teams spielt man seine Partie allein und ohne Hilfe. Für den Erfolg ist es aber entscheidend, wie die anderen Mitglieder punkten! Noch mehr als sonst, kann man mit seinen Freundinnen und Freunden mitfiebern, zusammen mit ihnen trainieren und zu Spielen fahren, sich selbst anfeuern lassen. Die Identifkation mit dem Verein steigt damit auch stark.

Wie findet man seinen Weg ins Schach-Team?

Es gibt mehrere Wege ins Team: In Vereinen mit Jugendarbeit kann man Trainerinnen und Trainer ansprechen, wenn das eigene Schachkind in der Mannschaft spielen möchte. Oder das Trainer-Team wählt selbst Kinder aus, ob sie nun frisch dabei sind oder schon länger spielen. Die Chancen auf eine Aufstellung lassen sich verbessern, wenn Spielerinnen und Spieler durch regelmäßiges Training und Turnierteilnahmen ihr Engagement und ihre Leistung zeigen. Eigende Jugend-Mannschaften gibt es in den meisten Vereinen erst mit einer gewissen größe, einer eigenen Jugendabteilung und einem engagierten Verantwortlichen.

Aufstellung, Ersatzbank und Rollen im Schach-Team

Je nach Wettbewerb und Liga, gibt es 4 bis 8 Bretter pro Mannschaft. Häufig ist es so: Je höher die Liga, desto mehr Bretter. Dies werden durchnummeriert.

Jede Mannschaft hat einen Mannschaftsführer oder eine Mannschaftsführerin, der oder die den Kader und die aktuelle Aufstellung zusammenstellt, die Meldung vornimmt und meldet die Ergebnisse. Er oder sie stellt außerdem sicher, dass Spiellokal und Schiedsrichter oder Schiedsrichterin da sind. Sonderfall bei Jugend-Teams: Es gibt einen erwachsenen als auch einen Kapitän oder eine Kapitänin aus der Mannschaft.

Die Mannschaftsführung gibt vor der ersten Runde oder dem ersten Spieltag oder zu einem Stichtag eine Reihenfolge seiner Spielerinnen und Spieler ab, die später nicht mehr geändert werden darf. Häufig sitzen an den vorderen Brettern die nominiell stärksten Spielerinnen und Spieler, das ist aber nicht zwingend. Wenn man beispielsweise erwartet, dass jemand sich im Laufe der Saison stark verbessert oder einfach unterbewertet ist, kann der- oder diejenige auch weiter vorne spielen.

Bei Wettbewerben, die sich über viele Spieltage erstrecken, gibt es üblicherweise Stammspieler und Ersatzspieler, wie es auch aus anderen Sportarten bekannt ist. Wer während der laufenden Saison nachnominiert wird, wird in der Meldereihenfolge automatisch ans letzte Brett gesetzt.

Auch wenn es um die Mannschaftsleistung geht, ist ein Gespräch zwischen Team-Mitgliedern während der Partien strengstens untersagt. Was sich hier schon für Dramen abgespielt haben, weil durch ein unbedachtes Wort eine ganze Partie verloren gewertet wurde! Es gibt eine einzige Ausnahme …

Wertung: Mannschaftspunkte und Brettpunkte

Ein Team bekommt pro Runde 0, ½ oder 1 Punkt. Für 1 Punkt (Sieg) muss es an den einzelnen Schachbrettern mehr Punkte gewinnen als die gegnerische Mannschaft. Schach-Teams sind so spannend, weil es auf jeden einzelnen ankommt. Heterogene Teams sind besser aufgestellt als Teams, die zwar mit Überfliegern an den vorderen Brettern glänzen, die hinteren Bretter aber mit schwächeren Spielern oder Spielerinnen besetzt haben.

Wie zuvor angesprochen, gibt es eine Ausnahme, in denen ein direkter Austausch während laufender Partien erlaubt ist. Spielerinnen und Spieler können sich bei ihrem Mannschaftsführer bzw. Kapitän die Erlaubnis für ein Remis holen. Dieser darf dabei nicht die Gewinn- oder Verlustwahrscheinlichkeit durchrechnen, sondern berücksichtigt nur, ob ein halber Punkt für die Mannschaftsbilanz okay ist.

Beispiel in der Tabelle: Der „blaue Spieler“ an Brett 3 bekommt ein Remis-Angebot von seinem „roten Gegenspieler“. Die Brette 1, 2 und 4 haben zuvor bereits 2 von 3 möglichen Punkten errungen.

Brett 1 „Blau“½ – ½Brett 1 „Rot“
Brett 2 „Blau“1 – 0Brett 2 „Rot“
Brett 3 „Blau“?Brett 3 „Rot“
Brett 4 „Blau“½ – ½Brett 4 „Rot“

Ein Remis würde für den Kapität oder die Kapitänin in Ordnung gehen:

  • Brett 3 verliert → Die Mannschaft bleibt bei 2 Punkten, teilt sich die Punkte mit dem roten Team. In der Endwertung hat Team Blau ½ Punkt.
  • Brett 3 holt mit einem Remis ½ Punkt → Mit 2,5 zu 1,5 Brett-Punkten gewinnt das Team Blau dieses Duell gegen Rot und bekommt 1 Punkt.
  • Brett 3 holt einen Sieg: Für den Einzelspieler bzw. die Spielerin eine tolle Sache, für die Team-Wertung macht es keinen Unterschied im Vergleich zu einem Remis.

Ein Beispiel für Ergebnisse aus einem echten Jugend-Mannschaftsturnier gibt es hier zur bayerischen Jugend Mannschafts-Meisterschaft: https://bayerische-schachjugend.de/mm-u10-2024-paarungen-mit-brettergebnissen/

Häufige Fragen zum Spiel im Team

Was passiert, wenn ein Spieler oder eine Spielerin in die Mannschaft nachrückt? In welcher Reihenfolge werden Bretter besetzt?

Abhängig von der Ausschreibung des Schach-Turniers, kann sich die Aufstellung des Teams während des Turniers oder in der laufenden Saison von Runde zu Runde neu aus dem Kader zusammensetzen. Je nach Spielordnung, müssen Nachzügler hinten ergänzt werden, im Schachbezirk München können Nachzügler aber auch dazwischen gesetzt werden. Spieler können übersprungen werden, aber es darf kein Brett freigelassen werden. Kann beispielsweise der an Brett 1 gesetzt Stammspieler nicht antreten, rückt Nummer 2 nach.

Darf man während eines Schach-Turnieres mit Team-Mitgliedern sprechen?

Läuft die Partie eines Spielers aus einem Schach-Team noch, darf er oder sie mit niemandem außer den Schiedsrichtern sprechen. Dabei ist es egal, ob das Gesprächsthema Schach ist oder das Wetter. Es ist nur die Remis-Frage an Mannschaftsführer erlaubt (siehe oben). Die Partie kann sonst als verloren gewertet werden, was auch dem Team schaden kann.

Kann man in mehr als einem Schach-Team spielen?

Ein Spieler kann nicht in mehreren Teams spielen, die im selben Wettkampf aufeinander treffen. Es ist aber durchaus möglich, zeitlich versetzt oder – je nach Turnierordnung – sogar für mehrere Vereine in Mannschaftskämpfen anzutreten: in der Jugendmannschaft, in der Erwachsenen-Mannschaft und in geschlossenen Wettbewerben, etwa vereinsübergreifenden Mädchen-Mannschaften. Wenn es die Turnierordnung erlaubt, kann man auch für seinen Zweit-Verein antreten.

Warum es Spaß macht, im Team Schach zu spielen

Kinder und Jugendliche, die in einer Mannschaft spielen, festigen soziale Bindungen und erfahren mehr Dynamik. Sie können gleichzeitig das Gefühl der Gemeinschaft genießen und ihre persönlichen Ziele verfolgen. Im Schach bekommen sie außerdem Zugang zu Wettbewerben, die ihnen als Einzelspielern oder Einzelspielerinnen nicht offen stehen würden. Das alles motiviert, steigert die Zufriedenheit und zeigt ihnen, wie man gemeinsam Herausforderungen überwindet.

Weiteres Wissen rund um Schach-Turniere

Was man zum Turnier mitnimmt

Wie ein Kinder-Schachturnier abläuft

Alle Antworten rund um die Wertungszahl DWZ


Andrea von schacheltern.de begleitet als Schach-Managerin ihren Sohn zu Einzel-Turnieren und Mannschaftskämpfen. Er spielt in der Altersklasse U12 auf bayerischer Ebene, in der C-Klasse der Münchner Mannschaftsmeisterschaft sowie der Zugspitz-Liga. Zu den bisherigen Schach-Highlights gehören für sie als Unterstützerin die deutsche U10 Mannschaftsmeisterschaft und der Aufstieg aus der D- in die C-Klasse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen