9 Irrtümer im Schach und was dahinter steckt

Die Schach-Regeln sind einfach, aber bei den Details kann es schon mal zu Irrtümern kommen. Hier sind weitverbreitete Missverständnisse, die mein schachspielender Sohn und ich gesammelt haben – mit Hintergründen, Richtigstellung und Verweis auf die passenden FIDE-Regeln!

Wenn der Gegner übersieht, dass man matt ist, hat man nicht verloren und kann das Schachspiel fortsetzen. – Schach-Irrtum #1

Richtig ist: Matt beendet die Partie. Alle darauffolgenden Züge sind irregulär. In der Schachnotation lässt sich das auch später noch nachvollziehen und der Sieger der Partie bestimmen – ganz egal, wer in den Zügen nach dem Matt die bessere Stellung erlangt hat. Siehe 1.4.2 und 5.1.1 in den FIDE-Regeln.

FIDE-Regelwerk, Punkt 5: Matt beendet die Partie.

Man darf Bauern auf dem Umwandlungsfeld dess Schachbretts nur in eine Dame umtauschen. – Schach-Irrtum #2

Auch wenn ein Bauer in den meisten Fällen in die zweit-wertvollste Figur im Schach – die Dame – umgewandelt wird, ist es auch möglich, stattdessen einen zusätzlichen Turm, Springer oder Läufer einzusetzen, wie in den FIDE-Regeln (3.7.3.3, „Promotion“) beschrieben.

Kommentar dazu: Diese Variante würde ein Spieler wählen, um etwa direkt ein Matt zu erzielen.

FIDE Regeln zur Umwandlung eines Bauerns in Dame, Turm, Läufer oder Springer

Wenn der König einmal im Schach stand, darf er für den Rest der Partie nicht mehr rochieren. – Schach-Irrtum #3

Ob der König zwischenzeitlich im Schach stand, spielt für die Rochade keine Rolle, entscheidend ist nur, ob er selbst gezogen wurde. Wenn er noch keinen Zug gemacht hat und die Felder zwischen der Schachfigur des Königs und dem Turm nicht im Schach stehen, darf er einmalig rochieren. Siehe: FIDE Regeln 3.8.2.

Sobald auffällt, dass man Figuren zu Beginn falsch standen, wird die Schachpartie immer von vorne gestartet. – Schach-Irrtum #4

Genau dieser Punkt ist im Regelwerk der FIDE festgehalten: FIDE-Regel (7.2.1) Ja, eine Partie, bei denen Figuren auf den falschen Feldern stehen, ist ungültig, z. B. wenn König und Dame vertauscht sind. ✅ Einschränkung: Eine Partie wird innerhalb der ersten 10 Züge noch neu gestartet, wenn klar wird, dass die Spieler mit den falschen Farben gespielt haben. Im späteren Verlauf wird die Schachpartie nicht mehr neu gestartet. ❌

Auszug aus der FIDE Rules for Chess zum Thema „Falsche Startaufstellung“

Man muss nach einem Remis-Angebot drei Züge warten um erneut Remis anzubieten. – Schach-Irrtum #5

Richtig ist: Es gibt keine Regelung, wie häufig man Remis anbieten darf (FIDE 9.1.2). Allerdings ist es regelwidrig, sein Gegenüber abzulenken, wozu auch das ungerechtfertige oder wiederholte Anbieten von Remis gehört.

Wer eine Schachfigur berührt, nimmt oder umwirft, muss diese als nächstes ziehen. Schach-Irrtum #6

Mehrere Ausnahmen verhindern, dass diese Annahme immer stimmt:

  1. Wenn das Ziehen einer Schachfigur oder eines Bauern einen irregulären Zug bedeutet – etwa weil man damit den eigenen König ins Schach stellt – muss dieser Zug nicht ausgeführt werden. (FIDE Regeln 3.9.2)
  2. Die „Berührt-Geführt-Regel“ gilt nur, wenn eine Absicht des Spielers erkennbar ist. (FIDE 4.3: „with the intention of moving or capturing“)
  3. Wirft man eine Figur versehentlich um und stellt sie wieder auf oder richtet sie gerade, weil sie beispielweise nicht eindeutig auf einem Feld steht, gilt das ebenfalls nicht als Zug – hier empfielt sich die Ankündigung „J’adoube“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Ich richte zurecht“.

Es ist im Fall der Rochade egal, ob Turm oder König zuerst zieht. – Schach-Irrtum #7

Viele Schachanfängerinnen und Schachanfänger sind überrascht: Es ist nicht egal, ob bei der Rochade zuerst König oder Turm bewegt wird! Nur wenn der König zuerst mindestens zwei Felder zieht, ist es eindeutig ein Rochade-Zug. Der König kann schließlich regulär nur ein Feld in jede Richtung ziehen. Der Turm jedoch kann auf der Gerade beliebig weit ziehen. Wenn er zuerst zieht, ist das bereits ein abgeschlossener Zug, der König darf sich nicht mehr bewegen. Nachzulesen in den FIDE-Regeln 4.4.

Derjenige, dessen Zeit auf der Schachuhr abläuft, hat automatisch verloren. – Schach-Irrtum #8

Zwar gilt in den meisten Fällen, dass Schachspieler „auf Zeit verlieren“, aber es gibt eine Einschränkung: Der Gegner muss mit seinem Material zumindest rechnerisch matt setzen können. Hat der Gegner beispielsweise nur noch einen König, einen König und einen Springer oder einen König und einen Läufer ist es schon automatisch ein Remis.

Man muss „Schach“ rufen, wenn man den gegnerischen König angreift. – Schach-Irrtum #9

Man muss seinen Gegner nicht darauf hinweisen, dass dessen König im Schach steht, das sollte dieser selbst bemerken. Übersieht er es und hebt er das Schach in seinem nächsten Zug nicht auf, muss man ihn auf den regelwidrigen Zug hinweisen.

Fazit: Es kommt bei den Schachregeln auf die Details an, dadurch ist Schach ein so fairer Sport!

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Andrea ist Autorin von schacheltern.de, Elternteil eines Schachspielers und wurde in fünf Jahren schon mit vielen absurden Situationen im Schach konfrontiert. Die meisten Missverständnisse sind in den Schachregeln klar geregelt – andere bringen ganze Verbände dazu, sich die Haare zu raufen.

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